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Gesundheit und Klimaschutz

Ernährungs-Doc Jörn Klasen über Wege zu einem gesunden Leben mit weniger Treibhausgasen

Fischerhude. Rund 100 Interessierte haben sich jüngst in Buthmanns Hof versammelt, um einem Vortrag zu lauschen, der nicht weniger versprach als den Schlüssel zu einem langen und gesunden Leben. Eingeladen hatte der Ottersberger Verein Ikeo gemeinsam mit dem Hamburger Arzt Dr. Jörn Klasen, bekannt als einer der „Ernährungs-Docs“.

Im Mittelpunkt stand eine pflanzenbasierte Ernährung, in der rotes und verarbeitetes Fleisch so gut wie gar nicht vorkommt – stattdessen stehen Nüsse, gute Öle, Gemüse aus ökologischem Anbau und Vollkornprodukte hoch im Kurs. Wer das konsequent beachtet, kann nicht nur seine eigene Gesundheit verbessern, sondern auch das Klima schützen. Denn der Ausstoß von Methan etwa, verursacht durch grasende Rinder, belastet die Umwelt erheblich.

Ernährung schützt Mensch und Umwelt

Dr. Klasen, der seit 45 Jahren als Mediziner auf verschiedensten Gebieten tätig ist, eröffnete den Vortrag mit einem kritischen Blick auf das aktuelle Gesundheitssystem. Die „Big Player“ – Pharmaindustrie und Krankenhausgesellschaften – verdienen ihr Geld vor allem mit der Behandlung von Krankheiten und nicht mit der Gesunderhaltung ihrer Patienten. „90 Prozent der Mittel fließen in Therapien, nur zehn Prozent in Prävention“, so Klasen.

Damit werde am falschen Ende gespart, warnte der Facharzt. Besonders kritisch sieht er die geplante Streichung von Homöopathie und anthroposophischer Medizin aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherungen. Das, so Klasen, festige einen medizinischen Mainstream und bremse die wissenschaftliche Weiterentwicklung.

Gesellschaftliche Verantwortung

„Wir benötigen Hilfe zur Selbsthilfe“, betonte Klasen und wandte sich gegen einen drohenden Stillstand in der medizinischen Forschung. Genau aus diesem Ansatz sei das Erfolgsformat „Die Ernährungs-Docs“ entstanden, um über das Medium Fernsehen möglichst viele Menschen aufzuklären. Über 100 Sendungen sind bereits entstanden, und das hohe Publikumsinteresse zeigt, wie wichtig eine solche Vermittlung von Wissen ist. Während früher der Grundsatz galt, zu essen, was schmeckt, gibt es heute komplexe Erkenntnisse für eine gesunde Ernährung, die so früh wie möglich in Kitas, Schulen und Familien vermittelt werden müssen – vor allem in Hinblick auf die Prävention von Adipositas und Diabetes.

Der Hintergrund dieser Forderungen ist alarmierend: 70 Prozent der Erkrankungen in den Industrieländern gelten heute als vermeidbar. Amerikanische Forscher haben in diesem Zusammenhang herausgefunden, dass auch vorhandene gesundheitliche Schäden zu einem Teil reversibel seien. Voraussetzung hierfür ist jedoch eine konsequente Umstellung der Ernährung, der vollständige Verzicht auf Tabak sowie eine deutliche Einschränkung des Alkoholkonsums. Gleichfalls wichtig für den Heilungs- und Erhaltungsprozess des Körpers seien regelmäßiger Sport, bewusster Umgang mit Stress, ausreichend Schlaf und das Pflegen liebevoller sozialer Kontakte.

Potenzial der Lebensstil-Umstellung

Das Potenzial dieser Lebensweise ist enorm: Wer die Empfehlungen befolgt, kann im Durchschnitt bis zu 23 Jahre an gesundem Leben hinzugewinnen – selbst im fortgeschrittenen Alter sind beachtliche Erfolge möglich. Zum Glück nimmt das gesellschaftliche Interesse an gesunden Lebensformen weiter zu. Die Kernformel für den Alltag bleibt dabei laut Klasen klar: den Fleischkonsum drastisch reduzieren und auf Zucker sowie Weißmehl weitgehend verzichten. Zudem wird empfohlen, Pausen von etwa fünf Stunden zwischen den Mahlzeiten einzuhalten, nicht zu Snacks zu greifen und viel zu trinken – vorzugsweise einfaches Leitungswasser.

Abschließend empfahl Klasen der Politik, die Abgaben auf Gemüse und Obst zu senken und dafür Fleisch und Zucker höher zu besteuern. Der Applaus der Teilnehmer zeigte, dass viele Anwesende gute Vorsätze gefasst haben und sich nun mit der Umsetzung im eigenen Alltag beschäftigen.


Onno Kutscher am 22.5.2026 im Weser-Kurier

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