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Die Klimaentwicklung in Ottersberg für die Jahre 2071-2100

Die Klimaentwicklung in Ottersberg für die Jahre 2071-2100
zusammengestellt von Dirk Olbers, Fischerhude

Die globale Erwärmung der Erde ist in Abb. 1 mit einigen Verläufen der Temperatur veranschaulicht. Seit Beginn der instrumentellen Aufzeichnung (1761 an dem Observatorium Hohenpeißenberg, am Alpenrand gelegen; siehe 2. Graphik in Abb. 1) besteht ein genereller Trend zu einem wärmeren Klima. Dies ist Folge der Zunahme von Treibhausgasen und hat auch gravierende Auswirkungen auf das lokale Klima im Flecken Ottersberg.

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Abb. 1: Die Temperaturentwicklung in Bremen, Hohenpeißenberg, und global aus Messungen in °C.

Der mittlere Wert für die Jahre 1961-1990 ist jeweils abgezogen. So erkennt man, dass die Jahrhunderte davor kälter waren und Werte nach 1990 rasant angestiegen sind. [Daten Bremen: D. Olbers und G. Heinemann; Hohenpeißenberg: Wikipedia; global: GISS: http://data.giss.nasa.gov/gistemp/]


Das zukünftige Klima

Der Klimaatlas des Norddeutschen Klimabüros (http://www.norddeutsches-klimabuero.de) stellt Szenarien zur Verfügung, die möglichen Änderungen unseres regionalen Klimas darstellen. Diese Szenarien sind Ergebnisse von Simulationen mit regionalen Klimamodellen, die als Eingangsgröße die noch unbekannte zukünftige Entwicklung der Wirtschaft und Technologie in den nächsten 100 Jahren benötigen. Szenarien sind daher keine Prognosen, denn in der wirtschaftlichen Entwicklung gibt es natürlich eine große Unsicherheit. Im Folgenden wird von zwei Szenarien des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) ausgegangen, die Extreme einer möglichen Entwicklung darstellen:

A2 ist eine sehr heterogene Welt, in der Familienwerte und lokale Traditionen große Bedeutung haben und neue Technologien nicht relevant sind.

B1 ist eine Welt, in der saubere Technologien eingeführt werden.

In den Szenarienrechnungen führt A2 zu gravierenden Klimaänderungen und B1 zu gemäßigteren. Wir zeigen im Folgenden als Beispiel aus dem Klimaatlanten in Abb. 2 und 3 die möglichen mittleren Änderungen der mittleren Temperatur und der Anzahl der heißen Tage im Jahr bis Ende des 21. Jahrhunderts (2071-2100) im Vergleich zu heute (1961-1990). In diesen Abbildungen ist eine Karte von Norddeutschland gezeigt mit einer Einfärbung gemäß der jeweiligen Klimavariablen.

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Abb. 2: Die mögliche Änderung der mittleren Temperatur in Norddeutschland in den Jahren 2071-2100. Links für B1, rechts für A2.


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Abb. 3: Die mögliche Änderung der Anzahl der heißen Tage in Norddeutschland in den Jahren 2071-2100. Links für B1, rechts für A2.

Im Winter kann es Ende des Jahrhunderts 1.0 bis 4.7 °C wärmer werden, im Sommer 1.5 bis 5.0 °C. Im Winter wird es weniger Frosttage geben, mehr regnen und stürmischer werden. Im Sommer wird es mehr heiße Tage geben und weniger regnen.


Der zukünftige Meeresspiegel

Von großem Interesse in unserer küstennahen Region ist der zukünftige Anstieg des Meeresspiegels. Hier bestehen große Unsicherheiten. Einige wichtige Zahlen sind im Folgenden diskutiert:
Abb4
Abb. 4: Die Entwicklung des globalen Meeresspiegels, vor 2000 aus Messungen, danach gemäß verschiedenen Szenarien.

  • Der Eisschild auf Grönland hat ein Äquivalent von 7 m Meeresspiegelhöhe, der Antarktische Eisschild entspricht 70 m Höhe. Ein totales Abschmelzen hätte also katastrophale Folgen. Das steht aber nicht an.

  • Der Meeresspiegelanstieg erfolgt nicht überall in gleichem Maß. Es gibt erhebliche regionale Unterschiede. Auch ist zu bedenken, dass die Landflächen (z.B. Grönland) bei einer Verlagerung von Masse in den Ozean entlastet werden und sich heben. So ist seit langem bekannt, dass von den 7 m des grönländischen Eisschilds bei uns in Europa nur ca. 40% ankämen, in anderen Regionen dagegen mehr. Natürlich ist 40% von 7 m immer noch ein riesiges Problem.

  • Die global-gemittelte Höhe des Meeresspiegel in seit 1850 um ca. 30 cm angestiegen (durch Messungen belegt, siehe Abb. 4). Die gegenwärtige Rate des Anstiegs ist ca. 3 mm pro Jahr, also 30 cm in 100 Jahren, und damit größer als zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Dabei entfallen je etwa ein Drittel auf die Ausdehnung des Meerwassers als Folge der Erwärmung, auf Abschmelzen von Gletschern (z.B. Himalaya) und auf Abschmelzen von den Eisschilden auf Grönland und der Antarktis. Regional gibt es große Unterschiede im beobachtete Anstieg, z.B. in Bremerhaven nur 0.61 mm/Jahr und in List 1.25 mm/Jahr.

  • Wäre diese Rate nur durch Abschmelzen von Grönland bedingt und für die Zukunft festgeschrieben, so hätten wir also die 7 m von Grönland in etwa 2000 Jahren zu erwarten. Die Annahme einer Konstanz ist aber nicht gerechtfertigt. Es könnte zu einer Beschleunigung der Abschmelzrate kommen. In jedem Fall sind hier aber sehr lange Zeiten im Spiel.

  • Die IPCC Ergebnisse für die Szenarien sind sehr ungenau. Die Schätzungen des Anstiegs liegen zwischen 50 cm und 1 m bis zum Jahr 2100 (siehe Abb. 4). Einige Forscher kommen zu größeren Zahlen. In jedem Fall ist dies ein gravierendes Problem für den Küstenschutz.

  • Schon jetzt liegen große Gebiete unter dem mittleren Meeresspiegel. Sie sind nur durch Eindeichung bewohnbar.

  • Für die Gefährdung der Küstenregionen ist nicht nur der mittlere Meeresspiegel relevant sondern das höchste Hochwasser. Auch hierfür gibt es Szenarienrechnungen. So ist z.B. für Hamburg mit einem Anstieg von 60±20 cm bis zu Ende des Jahrhunderts zu rechnen. Solche Werte sind hochgradig bedenklich aber durch Küstenbaumaßnahmen durchaus beherrschbar. Sollte der Anstieg größer werden oder nach 2100 auch weiter ansteigen, könnten solche Maßnahmen natürlich auch an ihre Grenzen kommen.

Das Klimabüro für Polargebiete und Meeresspiegelanstieg ist unter http://www.klimabuero-polarmeer.de/de/startseite/ zu finden.


Und in Ottersberg?

Der IPCC Klimabeirat diskutiert eine Reihe von weiteren zukünftigen Welten, die zwischen diesen Extremen A2 und B1 liegen. In jedem Fall kommen wir zu dem Schluss, dass unser Lebensraum in Ottersberg durch die Klimaentwicklung stark verändert wird, auch in dem gemilderten Szenarium B1. Dies entspricht grob dem in Kopenhagen (erfolglos) verhandelten 2°C-Klimaziel. Die in Ottersberg erwarteten Änderungen von 1.6°C Erwärmung (im Jahresmittel), 17% mehr Regen im Winter und 9% weniger im Sommer sind keine Kleinigkeit!